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Leserbrief zum Artikel vom 07.02.2018 in der NN:

Betrüger in der Pflege kassieren kräftig ab…

Es ist immer wieder erschütternd wie schnell eine Branche in negative Schlagzeilen gerät. Dazu braucht es nur ein paar schwarze Schafe, ein oder zwei Artikel in der Zeitung und schon steht eine ganze Berufsgruppe am Rande der Gesellschaft.

Die Pflege hatte noch nie einen besonders guten Ruf in der Gesellschaft. Keiner möchte sich mit dem Beruf der Altenpflege so wirklich identifizieren, geschweige denn öffentlich Protest aussprechen, aus Angst angefeindet und geächtet zu werden.

Und dabei ist dieser Beruf so wichtig und wertvoll, schließlich werden wir alle älter und wahrscheinlich Pflegebedürftig. Da ist es wichtig dass sich die junge Generation heute schon für diesen Beruf interessiert, dass er attraktiv wird und man seine Vorzüge darstellt.

 Der Umgang mit alten- kranken und hilfsbedürftigen Menschen beinhaltet mehr als nur das entsorgen von Ausscheidungen und „füttern“ von unseren Mitmenschen. Es braucht schon ein breites Spektrum an Fachwissen, Einfühlungsvermögen und Empathie um den Bedürfnissen, Wünschen und Anforderungen zu genügen. Es gibt keinen abwechslungsreicheren, vielfältigeren und anspruchsvolleren Beruf als dem der Pflegekraft. Ständig ist man mit neuen Herausforderungen konfrontiert, ein andauerndes bereithalten von sich immer erneuernden Fachwissen wird vom Gesetz gefordert und überprüft. Jeder Pflegebedürftige ist individuell und hat unterschiedliche Bedürfnisse und Anforderungen, denen man gerecht werden muss und will. Kein Tag ist wie der andere, besonders in der ambulanten Pflege ist jeder Tag eine neue Herausforderung.

Die größte Herausforderung dabei ist es dann noch die Waage zwischen Dienstleistung und Bürokratie zu halten. Trotz aller Endbürokratisierung werden die Dokumentation, der Verwaltungsaufwand und die schriftliche Beweispflicht immer größer und schwieriger. Dabei steht der Mensch schon lange nicht mehr im Vordergrund. Es zählt nur noch die Zahlen und Statistiken und was die „Allgemeinheit“ dafür bezahlt.

Der Mensch wird dabei vergessen. Der sitzt zu Hause, alleine, verunsichert, verängstigt und misstrauisch, und wartet dass man ihn in seiner Not unterstützt und hilft. Er weiß im Moment nicht an wen er sich wenden kann, weil ja „Alle“ so schlecht sind.

Dabei bräuchte er so dringend jemanden zum Reden. Ein Bad würde ihn auch mal wieder gut tun, aber er kommt ja nicht mehr alleine aus der Badewanne raus. Über einen Spaziergang um den See würde er sich auch freuen, oder mal im Kaufhaus neue Unterwäsche kaufen wäre dringend nötig. Die Kinder leben in einem anderen Bundesland, die Nachbarn verstehen einen nicht mehr.

Aber es ist ja niemand da, der einem hilft. Und der Pflegedienst kann im Moment auch nicht helfen, da ihm das Personal fehlt. Egal welchen Pflegedienst man fragt, überall fehlen die Fachkräfte.

Früher war es eine Berufung, wenn man sich für den Beruf der Altenpflegerin entschied. Es war ein Geben und Nehmen. Man versorgte den Menschen aus Nächstenliebe und Freude am Umgang mit Patienten und dessen Angehörigen. Es gab einem das Gefühl gutes zu Tun und das erfüllte einen mit innerer Zufriedenheit und Ruhe.

Heute ist das Einkommen und der Profit das Wichtigste für viele Menschen; Und da ist es so manchem egal auf welchen Rücken dass ausgetragen wird.

Es wäre dringend notwendig, dass endlich auch eine positive Berichterstattung erfolgt. Es müssten unsere Mitmenschen vielmehr darüber informiert werden, wie viele Pflegekräfte von Montag bis Sonntag, egal bei welchem Wetter unterwegs sind, um die Menschen, welche oft alleine zu Hause leben und sich nicht mehr alleine versorgen können, von hoch motivierten und engagierten Pflegekräften betreut werden. Es gehört viel Liebe und Herz dazu, die Menschen mit all ihren Bedürfnissen zufrieden zu stellen.

Sehr viele Pflegedienste erbringen auch während der Versorgung oft Leistungen, welche von keiner Pflege-, oder Krankenkasse vergütet werden. Aber die Leistungen werden aus Liebe zu den zu Pflegenden trotzdem erbracht, weil wir haben es mit Menschen zu tun.